
Putzt du dir vor Kussszenen die Zähne, Max Hubacher?
Er ist eines der profiliertesten Gesichter des Schweizer Films – doch was wäre Max Hubacher ohne die Frauen an seiner Seite? ellexx Co-Founderin Nadine Jürgensen hat den mehrfach ausgezeichneten Schauspieler mit Fragen konfrontiert, die sonst nur seinen Kolleginnen gestellt werden. Ein Gespräch über hysterische Momente, die biologische Uhr und die Frage, ob er eigentlich ernstzunehmende Rollen spielen kann oder einfach nur verdammt gut aussieht.
Wir fragen Männer, was sonst nur Frauen gefragt werden. Damit wollen wir einen Dialog über Stereotypen in Gang setzen, zum Nachdenken und Schmunzeln anregen, aber auch Toxizität entlarven.
Du bist jetzt also der Typ, der neben Yvonne Eisenring schauspielern durfte. Nun bist du endlich schweizweit bekannt! Love Roulette an der Seite von Yvonne war jetzt dein Durchbruch?
(Grinst.) Ja, an dieser Stelle möchte ich mich bei Yvonne ganz herzlich bedanken, dass sie mich auf den Schweizer Schauspielmarkt gebracht hat und mir viele Tipps gegeben und mir erklärt hat, wie das mit dem Schauspielern so funktioniert.
Wie fühlt es sich an, immer nur als das «schöne Gesicht» neben starken Frauen wahrgenommen zu werden?
(Lächelt ungläubig.) Ähm. Schön ist einfach relativ. Vor Kurzem habe ich eine Serie geschaut und mir gedacht, die Menschen sehen mittlerweile fast wie KI-generiert aus. In den letzten Jahren hat sich dieser Mainstream-Look durchgesetzt, auch im Schauspiel. Und eins weiss ich: So ein «schönes Gesicht» bin ich definitiv nicht.
Findest du dich denn nicht schön?
Ich bin zum Glück meistens zufrieden mit mir. Und wie es so schön heisst: Wenn das Äussere stimmt, wächst das Innere nach (grinst). Es gibt aber Momente, in denen schaue ich in den Spiegel, da finde ich mich nicht schön. Ich glaube, das kennen wir alle.
Max Hubacher
Die andere Frau, die deiner Popularität nachgeholfen hat, ist Gülsha. Die Kussszene im Film Love Roulette ist Kult. Putzt du dir vor Kussszenen die Zähne?
Normalerweise putze ich mir meine Zähne vor den Kussszenen immer, ausser bei Gülsha, da habe ich vorher noch eine rohe Zwiebel verdrückt.
Es scheint, du hast Frauen deine ganze Karriere zu verdanken. Deine Mutter im Film ist deine echte Mutter. Stimmt es, dass deine Mutter besser schauspielert als du?
Ja, von irgendjemand muss ich das Talent ja haben. Prägend war und ist auf jeden Fall auch meine «Mentorin» und damalige Theaterpädagogin Katharina Vischer, die mich, als ich als Teenager eine schwierige Zeit hatte, vom Kindertheater direkt in den Jugendclub aufgenommen hat. Sie meldete mich auch fürs Casting meines ersten Spielfilms, Stationspiraten an. Und danach war es Corinna Glaus, eine der grössten Casterinnen der Schweiz, die mich immer wieder für tolle Projekte vorgeschlagen hat. Es ist schon auffällig: Frauen waren und sind wirklich prägend für meine Karriere.
Als Tom warst du ja eher so der lockere, lustige Typ. Spielst du auch mal ernstzunehmende Rollen?
Ich hoffe, dass ich jetzt nach Love Roulette noch überhaupt ernstzunehmende Rollen angeboten bekomme! Nein, im Ernst: Ich suche immer wieder nach neuen Rollen, die mich herausfordern, und eine romantische Komödie habe ich in dieser Form noch gar nie gespielt. Und das hat einfach richtig Bock gemacht! Ich mag Abwechslung. Einen Actionfilm fände ich als Nächstes ganz nice.
Max Hubacher
Männer am Set sind oft schwierig und launisch. Wann kommt bei dir so richtig die «Diva» raus?
Je mehr Projekte ich im Jahr machen darf, umso dankbarer bin ich natürlich. Gleichzeitig merke ich schon, wenn ich lange auf Sets warten muss, steigt eine Ungeduld in mir auf. Das ewige Warten, bis umgebaut wird, um danach fünf Sekunden zu spielen. Da vergitzle ich manchmal fast.
Was machst du denn in der Wartezeit?
Schach spielen. Oder Rauchen, mein guilty pleasure. Immerhin: Das Kaffeetrinken habe ich mir abgewöhnt, das ist bei mir völlig kontraproduktiv.
Ok, machen wir mal den Test, was du kannst. Spiel mal vor, dass du wütend bist
(Spielt vor.)
Hahaha okay. Das war jetzt aber eher hysterisch.
(Lacht herzhaft.)
Was möchtest du als Schauspieler noch erreichen?
Ich würde sehr gerne einmal einen Boxer spielen, oder eine Dragqueen. Aber auch selber ein Drehbuch zu schreiben würde mich sehr interessieren.
Du wirkst heute so reflektiert. Hast du gerade deine Tage oder bist du immer so emotional zugänglich?
Wahrscheinlich bin ich in so einer Zwischenphase, kurz nach meinen Tagen, so in meiner Prime.
Redest du mit Frauen über Geld?
Also das sollte vielleicht nicht gerade die erste Frage sein, aber wenn man sich besser kennt, kann man schon darüber sprechen, klar. Ich werde schon auch gefragt, und, hast du schon deine erste Million? Oder auf der anderen Seite auch: Kommst du durch? Ich bin zwar nicht mal vielleicht bei einer Million, aber ich kann bisher glücklicherweise von der Schauspielerei leben.
Was passiert mit dir, wenn eine Frau viel besser ausgebildet ist als du?
Ich freue mich über jede Schauspielkollegin, die mich herausfordert, egal ob sie nun besser ausgebildet ist oder auch gar keine Ausbildung hat.
Würdest du also beispielsweise eine Anwältin daten?
Wieso eine Anwältin?
Die ist besser ausgebildet als du.
(Lacht panisch.) Also sicher, obwohl ich hoffe, es geht ja weniger um die Ausbildung als mehr um die Persönlichkeit.
Max Hubacher
Wie sieht es aus mit Kinderwunsch, tickt da langsam die Uhr?
Das ist das Gemeine, dass man als Mann tendenziell mehr Zeit hat. Ich finde, die Biologie kann zudem manchmal echt schlecht Schritt halten mit unserer Gesellschaft. Viele sind zum Beispiel erst zwischen 30 und 50 ready für Kinder, aber der Peak der Fruchtbarkeit ist da leider schon durch. Und dann hast du zwei Teenager, die sich einmal lieben, und Zack. Ist doch Scheisse.
Wenn du jetzt Vater werden würdest – hättest du ein schlechtes Gewissen, nicht Vollzeit für deine Kinder da sein zu können?
Ja. (Stellt das Glas ab.) Und das wäre bei meinem Beruf sicher auf schwieriger zu gestalten, da ich so viel auf Reisen bin. Aber ich sehe immer wieder Beispiele von Kolleg:innen, und dort funktioniert es doch irgendwie. Das macht mir Mut.
Du bist ja auch nicht mehr der Jüngste. Wie schaffst du es, dass deine Haut so strahlt?
Tut sie das?
Absolut.
Genug rauchen, immer wieder in den Ausgang gehen. Was auch gut tut, ist sicher einmal pro Woche Pizza.
Fühlst du dich manchmal zu dick für Rollen?
Ja. Das ist etwas Neues für mich.
Und dann?
Und dann schäme ich mich, der Film ist ja dann schon draussen, das ist dann ein Zeitdokument.
Wann hast du das erste Mal ein Beauty-Treatment gemacht?
Was ich mir regelmässig gönne, ist Sauna und Dampfbad über mein Fitness-Abo. Mein Beauty-Treatment wäre warm schamponieren und danach kalt duschen am Morgen. Und eine gute Feuchtigkeitscreme.
Hast du sonst besondere Beauty-Tipps am Set, die du teilen magst?
Ja, der beste Tipp bei den Nahaufnahmen ist, sich einen riesigen Ventilator anzuschaffen, der einem die Haut strafft, das nennt sich Windlifting. Aber im Ernst: Was wach macht und das Gesicht «glowier» aussehen lässt, sind Gesichtsübungen, nur sieht man dabei echt irr aus.
Max Hubacher
Welche Marke Shape-Wear trägst du am liebsten?
Was ist das?
Zum Beispiel Spanx? Sagt dir nichts?
Spankä, das kenn ich …?! (Grinst freudig). Darf ich raten, es klingt nach etwas das extrem eng ist.
Das tragen Schauspieler unter ihren engen Abendkleidern, es zaubert Orangenhaut, Dellen und ein paar Kilos weg.
Ich glaube, ich habe Glück, dass ich nicht wissen muss, was Shape-Wear ist.
Wenn du dann eine Dragqueen spielst, wirst du es herausfinden. Wie hältst du dich sonst fit?
Leider langweilig: Gym.
Ich liebe aber Snowboarden & Fussball – aber bin kein Veloheini, Bouldern ist auch nicht so mein Ding. Und dann ist da noch ein Problem: Als Schauspieler unter Vertrag darf ich keine Risikosportarten machen, weil ich mich in meinem hohen Alter schneller verletze.
Was ist dein Signature Look?
Sportlich: Ich bin meistens so angezogen, dass ich jederzeit aufs Tram rennen könnte.
Verrate ein Geheimnis über dich, das du bisher noch nicht öffentlich erzählt hast.
Ich kann drei Minuten aushalten, ohne mit den Augen zu blinzeln.
(Er blinzelt nach 45 Sekunden.)
Okay, lassen wir das.
Nein, nein wart! Ich kann auch sehr lange die Luft anhalten!
Das probieren wir jetzt lieber nicht, Max! Danke für das Gespräch. Du hast das wirklich toll gemacht für einen Mann. War das jetzt sehr anstrengend für dich, so lange konzentriert Fragen zu beantworten?
Was war nochmal die Frage?(grinst).
War das nun das absurdeste Interview deiner Karriere?
Nein, tatsächlich nicht, da gab es absurdere Situationen, wo ich etwa die Sprache gar nicht verstanden habe. Aber es gab viele Fragen heute, die mir noch nie gestellt worden sind, und ich muss sagen, ich habe vor dem Interview von verschiedenen Menschen in meinem Umfeld nur Positives über ellexx gehört, und deshalb habe ich gerne bei den Männerfragen mitgemacht. Fägt!

