
Wer parkiert deinen Hippie-Bus, Dodo?
Siiing, Dodo! Der wohl beliebteste «Zürimaa» der Schweiz hat schon so einiges gemeistert: im Dschungel überlebt, sich gegen Musikerinnen durchgesetzt und es fast bis zum Eishockey-Profi geschafft. Die Männerfragen sollten für Dodo Peanuts sein.
Wir fragen Männer, was sonst nur Frauen gefragt werden. Damit wollen wir einen Dialog über Stereotypen in Gang setzen, zum Nachdenken und Schmunzeln anregen, aber auch Toxizität entlarven.
Hey, Dodo! Du wurdest 1999 durch die TV-Reality-Show «Expedition Robinson» bekannt. Was ist härter: das Überleben im Dschungel oder das Überleben in der frauendominierten Musikbranche?
(Lacht.) Das ist so eine geile Frage, scheeisse. (Überlegt lange.) Ich respektiere den Dschungel genauso wie die Frauenwelt. Eine meiner grössten Stärken ist, dass ich gut darin bin, Energien zu lesen: Wo gibt es im Dschungel die Früchte, die ich essen kann? Und wo gibt es in der frauendominierten Musikbranche die Oasen, wo ich mit meiner Gabe etwas bewirken kann?
Sehr poetisch. Aber bestimmt ist es doch umgekehrt: Welche Frau schreibt deine Songs?
Alle Frauen schreiben meine Songs! Du kennst doch den Begriff «Muse»: Frauen sind meine grösste Inspiration. Ohne sie gäbe es keinen dieser tollen Songs. Übrigens habe ich auch viel lieber ein Frauenpublikum als eins voller Männer. Frauen waren immer mein Spiegel. Der schönste Spiegel, den es gibt.
Dodo
Bisschen «Pick me!», findest du nicht?
Das Feminine zieht mich einfach an. Ich glaube, es hat viel damit zu tun, dass ich selbst eine feminine Seite habe. Wenn ich mit meinen Worten spiele und dabei eine gewisse Schönheit male, kommt immer etwas Weibliches mit rein.
Dann bist du auch so ein «Gspürschmi-Fühlschmi-Typ». Warum wird es oft abgewertet, wenn auch Männer emotional sein können?
Das ist so ein altes Ding, das immer noch mitschwingt. Ich bin aber überzeugt, dass gerade ein neues Zeitalter beginnt, in dem es eine Stärke ist, Gefühle zu zeigen. Wenn du als Mann dieser Veränderung Raum gibst, wirst du grösser und stärker sein. Wenn du dich aber davor verschliesst, bist du ein Loser.
Dodo
Ärgert es dich eigentlich, dass du oft nur für die Männerquote gebucht wirst?
Ja, das stresst schon. Ich wünschte mir, dass man als Mann nicht immer nur auf der Bühne stehen muss, um andere Männer an die Festivals zu locken.
Was hältst du von diesen ständigen all-female Line-ups?
Nein, jetzt im Ernst: Die sind voll trendy. Es ist richtig krass, was passiert, wenn all diese Frauen auf der Bühne stehen und einfach Gas geben. So sollte es bleiben.
Apropos «Gas geben»: Wer parkiert eigentlich den Hippie-Bus für dich?
Das machen natürlich all die sensationellen Frauen in meinem Leben. Die wissen genau, dass man den Hippie-Bus nicht rückwärts parkiert, sondern schön vorwärts, damit ich wieder rausfahren kann. Der weibliche Navigationssinn ist perfekt für den Hippie-Bus.
Und wie viele Parkierversuche braucht Hippie-Dodo?
Hippie zu sein bedeutet frei sein. Es ist ein Gefühl von Vertrauen. Das Surfbrett ist oben auf dem Dach, du fährst ans Meer, und es bringt dir immer wieder eine neue Welle.
Was willst du mir damit sagen?
Es gibt immer eine zweite Chance, den Hippie-Bus zu parkieren.
(Lacht.) Gut ausgewichen. Du gibst als Produzent auch vielen anderen Künstler:innen eine Chance: von Nemo über Lo & Leduc bis zu Steffe la Cheffe. Wie fest gibst du dich für deine Musik-Kids auf?
Ich bin kein Ego-Mobil. Bei der Zusammenarbeit mit anderen Künstler:innen habe ich gelernt, dass es am besten kommt, wenn ich mich selbst zurücknehme. Ich muss meinen musikalischen Kindern Raum geben, damit sie sich entfalten können. Zugegeben ist mir das in meiner Karriere nicht immer gelungen. Mittlerweile sehe ich mich im Studio eher wie ein Gastgeber. Ein Mental Coach.
Wie viel unbezahlte Arbeit steckt dahinter?
Monetär natürlich ganz, ganz viel. Weil du Wochen und Monate zusammen verbringst. Auf der anderen Seite ist es Lebenszeit, die du mit Menschen verbringst, die dich leidenschaftlich interessieren. Meine oberste Regel im Leben ist: Mach das, was du liebst, so viel du kannst. Solange ich das machen kann, kommt immer alles gut.
Dodo
Schauen wir nach vorne: Dein neues Kurz-Album dreht sich um das Thema Sport. Heisst das, du gibst uns endlich Tipps für einen flachen Bauch?
Ja Mann! Schaut auf eure Ernährung und macht Sport! Einen flachen Bauch finde ich schon schön, aber er ist natürlich nicht alles. Die Selbstliebe ist wichtiger als der flache Bauch. Aber wenn er dir hilft, dich selbst zu lieben, dann mach was dafür.
Würdest du operativ etwas an dir machen lassen?
Ich bin gegen Fett absaugen. Solche Operationen wirken nur kurzfristig. Wenn du Freude daran findest, etwas für den flachen Bauch zu tun – und dein Ziel auch erreichst –, wird dich das langfristig viel glücklicher machen.
Manche deiner neuen Songs klingen doch etwas melancholisch. Wird das deine Sad-Boy-Ära?
Nicht unbedingt. Ich habe mir überlegt, wie es klingt, wenn Spitzensportler:innen ihren Sport ausführen. Für den Song «Überem Berg» habe ich mich in die Fussballerin Ramona Bachmann hineinversetzt. Sie hatte sich drei Wochen vor der EM in der Schweiz verletzt und fiel aus. Es war eines der grössten Turniere ihrer Karriere, noch dazu im eigenen Land. Wie kriegt man in so einem Moment die Motivation, wieder aufzustehen und zu sagen: «Ich trainiere weiter?» Dieses Gefühl kennen wir alle.
Dodo
Welche Frauen haben dir geholfen, wieder aufzustehen?
Meine Mutter und meine Grossmutter. Ich bin als Mann so stark, weil ich bedingungslos geliebt wurde.
Jetzt hast du’s geschafft. Wie waren die Männerfragen?
Es war sehr amüsant, diese Fragen im Kopf umzudrehen. Es ist so wichtig, dass man sich in jede Gruppe hineinversetzt, die nicht so privilegiert ist wie weisse Cis-Männer. Humor ist ein starkes Mittel dafür, doch dahinter steckt ganz viel Wahrheit, die ich in meinem Leben öfter reflektieren möchte.


