Was wäre, wenn jedes Kind mit Kapital zur Welt käme?

Welche Chancen ein Kind hat, entscheidet sich nicht durch Fleiss. Es entscheidet sich auf dem Investment-Konto seiner Eltern. Es ist Zeit für finanzielle Fairness – Zeit für Baby Bonds.
Patrizia Laeri
Bild: Getty Images

Die Idee ist einfach, eigentlich fast unverschämt einfach: Der Staat legt bei der Geburt jedes Kindes Geld auf ein Investment-Konto –  gestaffelt nach Vermögen der Eltern, am meisten für die Ärmsten –,  und das Kind darf es mit 18 Jahren entweder für: 

  • eine Unternehmensgründung
  • eine Ausbildung
  • oder Wohneigentum

einsetzen. Klingt nach einer Dritten Säule - aber nicht fürs Rentenalter, sondern für die Volljährigkeit? Ist es auch. Das Konzept nennt sich Baby Bonds. Und was nach sozialpolitischer Utopie klingt, ist inzwischen eine der meistdiskutierten Reformideen in der amerikanischen Wirtschaftspolitik. Der Staat Connecticut zahlt das seit 2023. Anders als das in Europa diskutierte Grunderbe ist es sozialpolitischer auf Ärmere ausgerichtet und nicht ein Erbe für alle. Auch ist es an klare, «sinnstiftende»  Bezugsbedingungen geknüpft.

Geprägt haben das Konzept schwarze Ökonom:innen. Darrick Hamilton und William Darity Jr. veröffentlichten 2010 ihre wegweisende Studie, in der sie fragten, ob Baby Bonds die Vermögensungleichheit zwischen weissen und schwarzen Amerikaner:innen tatsächlich überwinden könnten. 

Viel Geld für wenig Leistung

Was dabei meistens unerwähnt bleibt: Der Grundgedanke stammt von Ökonomin Ngina Chiteji – heute Professorin an der NYU Sie entwickelte ihn als sie als Doktorandin mit ihrem Studenten Hamilton 2000 am Armutsforschungszentrum der University of Michigan über generationenübergreifende Vermögenstransfers forschte. Chiteji, eine der wenigen Frauen of Color in der Wirtschaftswissenschaft ihrer Generation, hatte massgeblich zur Erforschung des Zusammenhangs zwischen Familienstruktur und dem rassischen Vermögensgefälle beigetragen. Diese gemeinsame Arbeit untermauerte die Erkenntnis, die den Baby Bonds zugrunde liegt: Reichtum entsteht nicht durch Fleiss. Er entsteht durch Politik – und durch Kapital, das Zeit hat zu wachsen.

Patrizia Laeri
«Die Erkenntnis, die den Baby Bonds zugrunde liegt: Reichtum entsteht nicht durch Fleiss. Er entsteht durch Politik – und durch Kapital, das Zeit hat zu wachsen.»

Vermögensungleichheit – ein Systemfehler

Was Zeit bei Geld ausmacht, hat 2019 die Forscherin Naomi Zewde in einer vielzitierten Studie durchgerechnet. Die UCLA-Professorin simulierte, was passiert wäre, wenn die heute erwachsenen Amerikaner:innen bei ihrer Geburt Baby Bonds erhalten hätten. Das Ergebnis rüttelt auf: Das Vermögensverhältnis zwischen weissen und schwarzen jungen Erwachsenen – das heute bei 16 zu 1 liegt – würde sich auf 1,4 zu 1 verringern. Das mediane Vermögen einer schwarzen jungen Erwachsenen würde von 2'900 auf fast 58'000 Dollar steigen. Nicht weil härter dafür gearbeitet wurde, sondern weil Kapital, das früh investiert wird, schlicht vom Zinsezins profitiert und weniger besteuert wird als Arbeit.

Das ist die eigentliche Botschaft hinter Baby Bonds, und sie gilt weit über die USA hinaus: Vermögensungleichheit ist ein Systemfehler

Patrizia Laeri
«Das ist die eigentliche Botschaft hinter Baby Bonds, und sie gilt weit über die USA hinaus: Vermögensungleichheit ist ein Systemfehler.»

Knappes Kapital macht krank

Sie ist das Ergebnis von Systemen, die Startkapital ungleich verteilen – nach Geschlecht, Herkunft oder Hautfarbe. Mit weitreichenden Folgen für Betroffene, wie zahlreiche Studien zeigen: Wer ohne finanzielles Polster aufwächst, lebt kürzer, erkrankt häufiger, ist dauerhafter Stressbelastung ausgesetzt. Die Zahl auf einem Kinderkonto ist überlebenswichtig, sie beeinflusst, wie lange wir leben.

Was also ist der Haken? Warum wird das progressive Konzept nicht schon länderübergreifend umgesetzt? Kritiker:innen merken zu Recht an, dass Baby Bonds ohne begleitende Finanzbildung langfristig wirkungslos verpuffen könnten, und verweisen auf Lotto-Millionär:innen, die kurz nach dem Gewinn wieder gleich mittellos dastehen wie vorher. Kapital ohne Finanzbildung ist wertlos, das kann ich als Fintech-Unternehmerin und Ökonomin unterschreiben. Genau deshalb war es für uns grundlegend, bei ellexx Investieren mit Finanzbildung zu verbinden. 

Das Private ist politisch – und umgekehrt

Was die amerikanische Wirtschaftspolitik gerade als staatliches Programm erprobt und feiert, setzen immer mehr Menschen in der Schweiz schon privat um. Ein Drittel der Frauen, die mit ellexx invest investieren, eröffnen zugleich auch Sparpläne für Kinder – für die eigenen, für Enkel oder Göttikinder. Die Frauen aus der ellexx Community steuern aktiv gegen Ungleichheit, legen das Kindergeld an und lassen durch das frühe Investieren den Zinseszins für die nächste Generation arbeiten.

Patrizia Laeri
«Ein Drittel der Frauen, die mit ellexx invest investieren, eröffnen zugleich auch Sparpläne für Kinder – für die eigenen, für Enkel oder Göttikinder.»

Hier zeigt sich im Übrigen genau das, was im Mikrofinanzbereich seit Langem wissenschaftlich belegt ist: Frauen investieren nicht nur in sich, sondern auch in ihre Familien, ins Gemeinwohl und in die Bildung.

Baby Bonds sind eine Idee für den Staat. Aber auf die Politik zu warten, ist beim Investieren die schlechteste Idee. Die Zeit ist die beste Freundin der kommenden Generation.

Patrizia Laeri
«Baby Bonds sind eine Idee für den Staat. Aber auf die Politik zu warten, ist beim Investieren die schlechteste Idee.»
Veröffentlicht: 25. Mai 2026

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