
Wo bleibt eigentlich dein Babybrei-Rezept, Noah Bachofen?
Vor knapp drei Jahren haben wir Noah Bachofen schon einmal die Männerfragen gestellt. Damals war er noch werdender Vater und träumte augenzwinkernd von einer Karriere als Dadfluencer. Inzwischen ist er Papa von zwei Töchtern – höchste Zeit also für eine zweite Runde.
Wir fragen Männer, was sonst nur Frauen gefragt werden. Damit wollen wir einen Dialog über Stereotypen in Gang setzen, zum Nachdenken und Schmunzeln anregen, aber auch Toxizität entlarven.
Noah, bei unserem letzten Gespräch warst du noch werdender Papa, jetzt hast du zwei Töchter. Was hat sich karrieretechnisch verändert, und wo musstest du zurückstecken?
Eigentlich nur in meinem Lieblingsbereich: beim Reisen. Das musste ich auf ein Minimum reduzieren. Das ist schade, denn als Influencer hätte ich oft die Möglichkeit, unterwegs zu sein, und da gehören meistens auch coole Hotels und Restaurants dazu. Trotzdem sage ich solche Anfragen konsequent ab, aus zwei Gründen: meiner Frau und meinem Gewissen zuliebe. Ich will sie nicht mit der ganzen Arbeit zu Hause allein lassen. Ansonsten ist es karrieretechnisch natürlich strenger geworden, weil ich zu Hause weniger Erholung habe.
Und deine Karriere als Dadfluencer, lässt die noch auf sich warten?
Oha, das habt ihr euch gemerkt? (Lacht.) Ja, ich habe immer wieder Ideen, die ich cool finde und gerne umsetzen würde. Oder ich sehe bei anderen Influencern, was für tolle Projekte sie durchziehen. Mein Problem ist aber: Mir wird es schnell unangenehm, wenn meine Kinder zum Mittelpunkt des Contents werden. Da kommen bei mir Berührungsängste auf. Das ist schwierig, wenn man als Influencer authentisch rüberkommen möchte, denn ich bin nun mal Vater. Da kann man seine Kinder nicht komplett weglassen. Gleichzeitig will ich sie aber auch nicht ins Rampenlicht stellen.
Kannst du uns ein Beispiel nennen?
In zwei Wochen gehe ich mit meiner Ältesten auf einen Städtetrip nach Stockholm. Alle reagieren total positiv und finden es süss und toll. Da kommen mir natürlich sofort ganz viele Content-Ideen in den Sinn. Aber ich will meinen Trip mit meiner Tochter ja nicht für Social Media ausgestalten. Da geniesse ich die Zeit lieber ganz bewusst zu zweit mit ihr.
Noah Bachofen
Okay, dann eben ohne Content. Aber wo bleibt das Babybrei-Rezept?
Das Rezept ist noch nicht draussen, und das hat einen guten Grund: Unsere älteste Tochter ist eine ganz schlechte Esserin. Alle meine Ambitionen, ihr etwas Neues zu kochen, sind kläglich gescheitert.
Blutet da nicht dein Hausmann-Herz?
Doch, denn Nudeln pur und Reis ohne alles lassen sich schlecht erzählen, weder als Rezept noch als Video. Dafür isst unsere jüngere Tochter, obwohl sie noch ein Baby ist, schon viel besser. Wenn sie etwas älter ist, kommt vielleicht mal ein spannendes Kinderrezept. Bei ihr würde es sich dann wenigstens lohnen.
Authentizität ist dir also wichtig?
Ja, sehr. Einen Babybrei zu kreieren und zu vermarkten, den meine eigene Tochter nicht einmal essen würde, finde ich sinnlos und schlicht nicht authentisch. Beim Essen kommt meine Älteste übrigens voll nach ihrer Mutter.
(Lacht.) Apropos Hausmann: Wie stemmst du eigentlich den ganzen Haushalt, mit zwei Kindern und einem Job?
Um ganz transparent zu sein: Wir haben uns eine Haushaltshilfe geholt. Das entlastet uns enorm.
Und es stört dich nicht, dass dir jemand in den Haushalt reinpfuscht?
Nein, denn eigentlich ist alles gleich geblieben. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, koche und putze ich immer noch. Nur ist die Wäsche dann eben schon erledigt.
Noah Bachofen
Ist es dir wichtig, dass deine Töchter in dir ein gutes Vorbild sehen?
Ich glaube, das wünschen sich alle Eltern, gerade in diesem Alter. Kinder machen ja immer das, was ihnen die Eltern vorleben, und nicht das, was sie ihnen vorsagen. Deshalb frage ich mich nicht: Wie sollen meine Kinder werden? Sondern: Wie verhalte ich mich vor meinen Kindern? Besonders wichtig ist mir dabei der Medienkonsum.
Wie gehst du als Influencer damit um?
Ich habe angefangen, Bücher zu lesen. Da ist mir meine Frau übrigens einiges voraus. Ausserdem haben wir keinen Fernseher zu Hause, damit die Kinder so wenig Medien wie möglich konsumieren.
Aber als Influencer-Papa bist du doch chronisch online?
Ja, das erfordert mehr Planung. Ich brauche klar geregelte Arbeitszeiten, damit das Handy nicht mehr in meiner Hand liegt, wenn ich zu Hause bin. Manchmal klappt das super, manchmal weniger gut.
Hast du deshalb auch ein Old-School-Kochbuch herausgebracht?
(Lacht.) Nein, nicht nur deshalb. Für jeden ausgebildeten Koch ist es ein Traum, ein eigenes Kochbuch zu schreiben. Ich sammle selbst Kochbücher und habe schon während meiner Ausbildung davon geträumt. Als dann ein Verlag auf mich zukam und fragte, ob ich ein Buch machen möchte, war die Antwort für mich sofort klar. Und das zweite ist auch schon in the making.
Welches Rezept aus deinem Buch empfiehlst du allen Hausmännern da draussen?
Allen Hausmännern, die den ganzen Tag in der Küche stehen, empfehle ich, passend zum Herbstwetter, die überbackene französische Zwiebelsuppe. Es gibt kaum etwas, das wir zu Hause lieber essen.
Eine einfache Suppe, war ja klar!
Genau deshalb setze ich voll auf sie: Sie ist schnell und einfach gemacht und schmeckt trotzdem allen, die sie probieren.
Traust du dich im zweiten Buch auch an anspruchsvollere Rezepte, oder bleibt es bei Suppen?
Das Konzept entsteht gerade erst, aber es geht in Richtung Bistroküche. Die Idee dahinter: Hätte ich mein eigenes Restaurant, gäbe es dort genau diese Gerichte. Da ich immer öfter gefragt werde, wann ich endlich ein eigenes Lokal eröffne, dachte ich mir: Dann gibt es im Buch schon mal einen kleinen Vorgeschmack.
Und wieso eröffnest du nicht einfach dein eigenes Restaurant?
Ich würde es liebend gern machen, aber ich weiss aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, ein Restaurant zu führen. Deshalb mache ich zurzeit lieber Dinge, die ich noch nie gemacht habe. Was später kommt, werden wir sehen.
Noah Bachofen
Beim letzten Mal hast du uns verraten, dass du den Küchentratsch vermisst. Hast du deshalb einen neuen Podcast?
(Lacht.) Guter Punkt! Den Gossip aus der Küche vermisse ich manchmal tatsächlich noch. Da ist so ein Podcast natürlich sehr praktisch. Weil er aber öffentlich ausgestrahlt wird, halten wir uns immer ein wenig zurück. Dafür haben wir ein Grüppchen mit Food-Journis und Köchen, und dort wird immer erwartet, dass wir Gossip mitbringen.
Der richtige Gossip bleibt also am Stammtisch?
Im Podcast erzählen wir gerne, was in der Branche gerade läuft, welche Trends wir spannend finden oder welches Lokal uns begeistert hat. Gewisse private Dinge teilen wir schon, wir sind ja Personen der Öffentlichkeit. Aber alles in Massen. Wer mit wem und warum, das bleibt unter uns. Genau das macht diese Runden so wertvoll: Man kann offen reden, ohne dass es morgen jemand nachlesen kann.
Danke für dieses ehrliche Gespräch, Noah! Wir melden uns dann in drei Jahren wieder und fragen nach dem Restaurant und dem Babybrei-Rezept.




