Foto von Milica Ivetic mit violettem Hintergrund
Illustration: Fabienne Iten

Ist 23 nicht ein bisschen jung für ein eigenes Business, Milica Ivetic?

Schon mit 13 träumte Milica Ivetic von der Modemetropole New York. Zehn Jahre später hat sie in der Schweiz ihren Traum verwirklicht. Im Money Talk spricht sie mit uns über ihre Beziehung zu Geld.
Sofia Simijonovic

Schon mit 13 interessierte sich Milica, auch Mili genannt, für die Modewelt New Yorks. Zehn Jahre später wurde aus diesem Interesse ein eigenes Business: Mit 23 ist sie bereits selbstständig und hat sich über verschiedene Stationen in der Modebranche ein eigenes berufliches Netzwerk aufgebaut. Gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin und Freundin gründete sie die Event- und PR-Agentur Office Veza. Im Interview erzählt sie, was sie zur Selbstständigkeit bewogen hat, warum das Thema Geld für sie nicht immer einfach ist und welche Rolle ihr Umfeld bei ihren beruflichen Entscheidungen spielt.

Hintergrund

  • Alter: 23
  • Kinder: keine
  • Beruf: Gründerin und Inhaberin der Event-Agentur Office Veza
  • Einkommen: ca. CHF 5’000, in manchen Monaten mehr  
  • Schulden: Keine
  • Grösster Ausgabeposten: ÖV-Tickets, Krankenkasse und allgemeine Fixkosten  
  • Vermögen: keine Angabe 

Wann hast du gemerkt, dass der klassische Karriereweg nichts für dich ist? 

Ich wusste schon immer, dass ich etwas Eigenes aufbauen möchte. Angefangen habe ich als Teenagerin mit dem Re-Selling von Sneakern. Dass es auch später in Richtung Fashion gehen würde, war mir damals aber noch nicht bewusst. Mit 13 Jahren sagte ich zu meinem Cousin: «Ich werde eines Tages New York übernehmen!», vermutlich habe ich damals einfach zu viel Gossip Girl geschaut. Er antwortete: «Okay, dann werde ich dein Anwalt.» Heute studiert er Jura, und ich bin selbstständig in der Modebranche.

Viele junge Menschen haben Ideen, aber nicht den Mut zu gründen. Wie war das bei dir?

Mein Umfeld hat mich ermutigt, vor allem meine Freund:innen. Sie gaben mir Kraft, etwas Eigenes zu machen. Aber ich wollte auch der kleinen Mili beweisen: «Ja, du kannst das!» Wenn ich so zurückdenke, bin ich mir sicher, dass die kleine Mili grosse Freude daran hätte, was ich heute mache. 

Milica Ivetic
«Ich wusste schon immer, dass ich etwas Eigenes aufbauen möchte. Angefangen habe ich als Teenagerin mit dem Re-Selling von Sneakern.»

Erzähl uns davon.

Ich arbeite Teilzeit bei Labwear Studios, das ist eine Manufacturing-Plattform. Wir kreieren nachhaltige Mode. Und dann habe ich noch mein eigenes Baby: Office Veza ist eine PR- und Eventagentur, die wir Ende 2025 gegründet haben. Wir organisieren mit kreativen Konzepten Events für Firmen und Brands aus der Modebranche. Zudem machen wir auch PR, Kommunikation und Brand Activation. Alles, was man sich in der kreativen Szene so vorstellen kann. (Lacht.) 

Wer ist wir?

Meine Geschäftspartnerin Lauren und ich haben bereits bei Labwear Studios zusammengearbeitet. Vor zwei Jahren organisierten wir dort unser erstes gemeinsames Event – danach folgten schnell weitere. Diese teilten wir jeweils auf unseren privaten Social-Media-Kanälen. Irgendwann stellten wir uns die Frage: Warum machen wir daraus nicht etwas Eigenes?

Gute Frage! Und?

Die Idee für unsere Agentur nahm schliesslich auf einer Zugfahrt von Bern nach Zürich konkrete Form an. Wir setzten uns zusammen und entwickelten den ersten Plan. Danach ging alles Schlag auf Schlag.

Was sind finanziell eure grössten Herausforderungen?

Die grösste Herausforderung ist es, wenn wir zu spät bezahlt werden für unsere Arbeit. In der Eventbranche kann es bis zu 90 Tage nach Auftrag dauern, bis das Geld effektiv auf dem Konto ist, was sehr frustrierend sein kann und für die Budget-Planung kompliziert ist. Und dann haben wir noch die Herausforderung, dass einige Kund:innen nicht aus der Schweiz sind und sich der starken Preisunterschiede nicht bewusst sind. Ein Event in Zürich kostet einiges mehr als beispielsweise in Deutschland und Frankreich. Deshalb müssen wir oft zuerst darlegen, was mit einem bestimmten Budget in der Schweiz überhaupt möglich ist. Das verlangt viel Organisation, gute Kommunikation und manchmal auch Geduld.

Milica Ivetic
«Die grösste Herausforderung ist es, wenn wir zu spät bezahlt werden für unsere Arbeit. In der Eventbranche kann es bis zu 90 Tage nach Auftrag dauern, bis das Geld effektiv auf dem Konto ist.»

Was waren bisher deine grössten Herausforderungen? 

Die Balance. Ich bin eine organisierte Person, die den Überblick behält. Aber manchmal muss man Kontrolle abgeben. Ich mache alles mit so viel Liebe und Herz, dass es manchmal schwierig ist, zu erkennen: Ich muss mir jetzt für mich selber Zeit nehmen. Es ist eine Herausforderung, in manchen Momenten herunterzuschrauben. Sei das privat oder bei der Arbeit. Bei so vielen coolen Anfragen müssen wir einfach entscheiden, was sich lohnt und wo unsere Prioritäten liegen. Und ja, ich habe anfangs daneben auch noch studiert und Vollzeit gearbeitet. Das war zeitweise sehr ungesund. Ich habe ein tolles Umfeld, das mir hilft, auch in schweren Momenten nicht die Balance zu verlieren. Und wenn ich sie fast verliere, helfen mir meine Freund:innen, sie wieder zu finden. 

Neben all den Herausforderungen: Stresst dich das Thema Geld? 

Ja, definitiv. Geld zu besitzen ist im Allgemeinen etwas Wichtiges. Meine Emotionen hängen stark vom Thema Geld ab – ich merke, dass ich fast schon ein bisschen abhängig davon bin. Es stresst mich, dass ich immer an das Geld denken muss, damit ich meine Zeit in Ruhe geniessen kann. Da jeder Monat anders verlaufen kann: Wenn ich genug Geld habe, bin ich gut drauf und entspannt. Wenn es dann mal schlechter läuft, bin ich sehr gestresst, und dieser Stress rund ums Geld belastet mich zusätzlich. Das hängt oft auch mit dem beruflichen Kontext zusammen – etwa wenn ich selbst noch etwas dazu geben muss oder eigenes Geld in ein Event oder Projekt investiere. Dann bleibt immer die Frage: Kommt das auch wieder zurück? Und weil ich generell möglichst verantwortungsvoll mit meinem Geld umgehen will, entsteht genau daraus der Stress.

Gab es einen Moment, in dem du ans Aufgeben gedacht hast?

Nein, niemals. Diese Option war für mich ausgeschlossen. Egal, welche Phasen ich oder die Agentur durchgemacht haben, Aufgeben kam nie in Frage. Dass es schlechte Phasen gibt, ist auch kein Geheimnis. Jedes Projekt kann komplex und anstrengend werden. Aber das ist mir egal. Ich weiss, diese Phasen sind da, damit wiraus ihnen lernen und wachsen. In einem Jahr werden wir zurückblicken und uns denken: «Wir haben's geschafft!» Ich habe so ein starkes Team und so tolle Freund:innen, dass ich immer den Grund und die Motivation sehe, warum wir das alles überhaupt machen. Wir sind schon viel zu weit gekommen, um aufzugeben. 

Milica Ivetic
«Meine Emotionen hängen stark vom Thema Geld ab – ich merke, dass ich fast schon ein bisschen abhängig davon bin.»

War da nie der Gedanke: Ich nehme einfach einen sicheren Job als Angestellte?

Ich habe während meines Studiums Vollzeit einen Bürojob gemacht   – meine Lehre hatte ich nämlich ursprünglich  im kaufmännischen Bereich abgeschlossen. Das war in dem Moment gut, weil ich so Sicherheit hatte in Bezug auf das Einkommen und Zusatzleistungen.Aber mir fehlte die Passion. Was ich heute mache, erfüllt mich viel mehr. 

Bei welchen Projekten lohnt es sich für dich am meisten, auch finanziell gesehen?

Mein Herz schlägt für alle Projekte sehr fest. Am meisten stolz bin ich jedoch darauf, dass meine Freund:innen und ich es geschafft haben, aus unseren Geschäften ein funktionierendes Ökosystem zu schaffen. Unsere Agentur organisiert Events für die Firmen meiner Freund:innen in der Fashion-Branche. Wir sind alle miteinander vernetzt, bauen gemeinsam weiter auf und profitieren wirtschaftlich voneinander.

Wie kann ich das verstehen? 

Wir haben uns eine Community aufgebaut. Anfangs waren wir einfach ein paar junge Menschen mit Ideen und einer Vision. Als ich bei Labwear Studios begonnen habe, war das noch ein junges Start-up, und niemand wusste, wohin es gehen würde. Heute, nachdem meine Geschäftspartnerin und ich Office Veza gegründet haben, können wir von unseren Kontakten aus der Modebranche profitieren und uns so gegenseitig auch geschäftlich unterstützen. 

Gehst du gerne Risiken ein? 

Absolut nicht. Aber gewisse Risiken lassen sich nicht vermeiden – und selbst die gehe ich nur sehr ungern ein. Mir ist jedoch bewusst, dass sie manchmal nötig sind, um sich weiterzuentwickeln. Auch dabei hole ich mir Rat und Inspiration aus meinem Umfeld und versuche zu lernen, wie ich am besten damit umgehe. Gerade wenn es um Geld geht, bin ich sehr vorsichtig.

Milica Ivetic
«Leider gibt es immer wieder Projekte, bei denen junge Frauen wie ich weniger ernst genommen werden. Man lernt, sich durchsetzen zu müssen.»

Als junge Frau in der Branche: Wie setzt du dich durch? 

So eine wichtige Frage! Ich habe bei einigen Projekten nur mit Männern zu tun. Das Gute ist, ich bewege mich in Kreisen, wo ich gesehen und wahrgenommen werde. Aber leider gibt es immer wieder Projekte, bei denen junge Frauen wie ich weniger ernst genommen werden. Man lernt, sich durchsetzen zu müssen. Aber ein alter, weisser Mann wird es schlussendlich immer besser wissen (lacht). Was wir uns schon für Sprüche anhören mussten …

Hat das auch mit deinem Alter zu tun?

Mein Alter wird ab und zu belächelt und meine Arbeit dadurch nicht immer gleich ernst genommen. Wenn in einem Meeting mein Alter zum Thema wird, merke ich teilweise direkt, wie sich die Wahrnehmung gewisser Projektpartner:innen verändert. Plötzlich wird meinen Aussagen weniger Beachtung geschenkt, oder meine Inputs werden weniger ernst genommen.

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Veröffentlicht: 8. September 2026