
Gendergerechte Klimapolitik: Widerspruch oder Selbstverständlichkeit?
Wir alle haben den Gletscherabbruch im Lötschental in den Medien verfolgt. stellten bald nach der Katastrophe einen Zusammenhang mit dem Klimawandel her. Dies, nachdem der Klimawandel in den letzten Jahren durch Pandemie, Kriege, Wahlerfolge rechtsextremer Parteien, Migrationsdebatten und Männlichkeits-Kapriolen der Tech-Bros aus der Berichterstattung worden war. Es brauchte nun offenbar , die ein gesamtes Dorf mit einer bis zu aus Geröll und Eis bedeckten und über heimatlos machten, damit der Klimawandel wieder mediale Aufmerksamkeit erhält.
Der Klimawandel trifft nicht alle Menschen gleich. Während vor allem , treffen die Folgen ärmere Menschen stärker.
Was weniger im Fokus steht: Auch Frauen und Männer sind unterschiedlich betroffen.
Folgen des Klimawandels treffen Frauen anders
sind eine der Folgen des Klimawandels in der Schweiz. Es gibt mehrere Gründe, warum Frauen besonders betroffen sind: Für schwangere Frauen steigt durch Extremwetterereignisse . Betagte Menschen sind bei Hitze einem erhöhten gesundheitlichen Risiko ausgesetzt, sind – auch weil sie länger und nicht selten .
Jana Freundt
Frauen leisten in allen Altersgruppen heute immer noch einen Grossteil der , die an heissen Tagen nicht einfach ausgesetzt werden kann. Hitzefrei gibt es bei der Pflege von Kranken und der Betreuung von Kleinkindern nicht. Im Gegenteil: Während Naturkatastrophen und Extremwetter ist oft . Auch kann in solchen Situationen .
Frauen sind also statistisch gesehen besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Daher sollte Klimapolitik auch auf ihre Bedürfnisse ausgelegt sein. Oder?
Gender in der Klimapolitik
Klimaschutzprogramme wie der setzen ihren Fokus auf technische Lösungen im Energiesektor und in Industrien mit starken CO2-Emissionen wie dem Verkehrssektor. In diesen Branchen sind Gewinne der Unternehmen selten in Frauenhand, und viele Investitionen und Subventionen fliessen in tendenziell . Männer sind hier unter den Erwerbstätigen und in Führungspositionen . Frauen sind dagegen wenig vertreten und reden seltener mit bei wichtigen Entscheiden in den «klimarelevanten» Wirtschaftssektoren.
Klimapolitik hat substanzielle Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und das Einkommen. Sie prägt strukturelle : Grüne Wirtschaftspolitik schafft zunächst neue Beschäftigungsmöglichkeiten in der Industrie, insbesondere im Energiesektor. Sozialpolitisch unterstützende Massnahmen schützen oft vor allem vom Beschäftigungsverlust bedrohte Arbeitnehmende in den männerdominierten emissionsstarken Branchen. Don’t get me wrong: Die Dekarbonisierung dieser Sektoren ist dringend notwendig. Es zeigt sich jedoch: Existierende Gender Gaps am Arbeitsmarkt werden weiter verstärkt. Frauen profitieren ausserdem durch die unterschiedliche Berufswahl weniger von staatlichen Förderungen.
Sozialpolitische Instrumente wie eine Verkürzung der Arbeitszeit oder die Einführung einer Elternzeit könnten dazu beitragen, dass Frauen vermehrt in Entscheidungspositionen in «klimarelevanten» Sektoren vertreten sind. Es braucht aber mehr. Wir wissen inzwischen, dass das «Aber Frauen mögen halt keine Mathe»-Argument sich selbst in den Schwanz beisst: Studien zeigen, dass dies vor allem bedingt ist. Genauso gibt es wohl kaum biologische Gründe, warum Technik «Männersache» sein sollte.
Jana Freundt
Technik kann weiblich, inklusiv und emanzipatorisch sein. Es braucht ganzheitliche und gendergerechte politische und wirtschaftliche Initiativen, damit grüne technische Innovationen mit dem Ziel einer emanzipierten und nachhaltigen Gesellschaft geschaffen und genutzt werden. Technische Innovationen haben das Potenzial, die Energieversorgung und die Mobilität neu – «weiblich» – zu denken. Im Sinne einer dezentralen, intelligent vernetzten Versorgung, die auf die Bedürfnisse aller Menschen ausgerichtet ist.
Ist Klimapolitik feministisch?
Was bedeutet der Klimawandel für frauendominierte Branchen, etwa in den Bereichen Soziales, Bildung und Gesundheit? Hierüber wird selten gesprochen.
Die Folgen des Klimawandels wie Extremwetter und neue Infektionskrankheiten erhöhen mittelfristig den – die bereits jetzt schlecht bezahlt und unterfinanziert ist. Investitionen in den Bildungssektor sind selten Teil der Klimapolitik, stattdessen wird in der Schweiz nun bei Bildung und Forschung . Dabei wäre eine «Klimaanpassung des Bildungssystems» eine dringend notwendige Investition in die Zukunft.
Jana Freundt
, , … Aus verschiedenen strukturellen Gründen sind Frauen häufiger arm und damit . Im Klimakontext spricht man von «». Ob Umverteilungsmechanismen bei CO2-Abgaben (, ) oder Preisregulierung bei in Krisenzeiten, Umverteilung ist ein zentrales Element einer gendergerechten Klimapolitik.
Sollten sich Frauen also besonders für eine Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft interessieren? Zunächst lässt sich feststellen: Sie tun es.
Studien in westlichen demokratischen Ländern zeigen, dass Frauen systematisch häufiger , , sich grössere , häufiger an und sich . Aber auch wenn wir brav den sich im Getränk auflösenden Papierstrohhalm nutzen, Veggie-Wurst grillieren und zwölf Stunden mit dem Zug in die Ferien nach Spanien fahren, generiert unser Konsumverhalten immer noch eine Menge CO2-Emissionen. Die Forschung weist darauf hin, dass durch eine Änderung des individuellen Konsumverhalten eingespart werden kann. Die bisher umgesetzte Klimapolitik , um in einem stabilen Klimaszenario zu bleiben.
Es braucht eine umfassende sozial-ökonomische Transformation, damit unsere leiblichen, Stief-, Gotten- und Nachbarskinder ein gutes Leben haben. Eine solche Transformation wäre feministisch: Sie bietet die Chance eines geschlechtergerechten Wandels, von dem alle profitieren. Frauen können hier Pionier:innen sein!



